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Die Bundeswehr zieht ab - leider nicht überall: Ostwestfalen hat schon gute Erfahrungen mit der Umwandlung militärischer Einrichtungen

INHALT
- Sie reden von Frieden, sie führen Krieg - Truppen raus aus Afghanistan!
- Inge Höger: Konsequent gegen Streumunition
- Rüstungsatlas online: Die Adressen der Kriegsprofiteure
- Reform der Pflegeversicherung? Bislang nur vollmundige Makulatur!

- Kinderarmut im Kreis Herford
- DIE LINKE für vollständige Rekommunalisierung der Stromnetze

 

Die Linke. OWL Homepage: Redaktionelle Bearbeitung

Hans-Werner Elbracht
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18. Oktober 2011 DIE LINKE. Bielefeld, Heinz Willemsen

DIE LINKE. Bielefeld: Erfolgreicher Protest gegen Bundeswehr

Krieg ist keine Berufsperspektive!

Wie jedes Jahr fand auch dieses Jahr wieder eine Berufsinformationsbörse (BiB) in den Carl-Severing-Berufskollegs in Bielefeld statt. Und wie schon in den letzten Jahren so war auch wieder die Bundeswehr mit einem großen Informationsstand und mit Vorträgen dabei. Anders als in den vergangenen Jahren stieß dies jedoch auf heftigen Protest. Die LINKE hatte die Veranstalter, das Bielefelder Schulamt und das Arbeitsamt, sowie die Schulleiter der  beiden Berufskollegs aufgefordert, endlichen den Mißbrauch der BiB durch die Bundeswehr zu beenden. Deshalb sollte die Bundeswehr wieder ausgeladen werden, denn Krieg ist keine Berufsperspektive. Gerade in unsicheren Zeiten wie diesen, wo eine neue Welle der Weltwirtschaftskrise auf uns zu rollt, wirbt die Bundeswehr mit scheinbar sicheren, gut bezahlten Jobs. Aber „Arbeit“ bei der Bundeswehr ist nicht sicher. Sie kann todsicher sein, wie die Ereignisse in Afghanistan zeigen. Dies mußten auch zwei Bielefelder Jugendliche erfahren, die beim Kriegseinsatz am Hindukusch getötet wurden. Denn seit der Aussetzung der Wehrpflicht heißt „Arbeit“ bei der Bundeswehr vor allem eins: Auslandseinsätze wie in Afghanistan. Wenn der Bundespräsident Wulff bei seinem Besuch in Kabul fordert, dass der Kampf gegen den Terror verstärkt werden soll, dann will er uns damit vor allem sagen, dass mehr Jugendliche für den tödlichen Einsatz in Afghanistan geworben werden sollen.
 
Großer Zuspruch bei Lehrerinnen und Lehrern

 
Großen Zuspruch haben wir für unsere Aktion von zahlreichen Lehrerinnen und Lehrern bekommen. „Ich bin total wütend“, sagte uns eine Lehrerin. „Im November sollen wir an unserer Schule Friedenstage organisieren und heute müssen wir unsere Schüler hier zum Bundeswehrstand schicken. Das paßt einfach nicht zusammen.“ Immer wieder kamen Lehrerinnen und Lehrer auf uns zu und erklärten ihre mehr als klammheimliche Freude über unsere Aktion. „Euer Flugblatt ist völlig richtig. Es trifft genau den Kern der Sache. Ich bin absolut einverstanden mit dem, was ihr geschrieben hat.“ Endlich fand der Auftritt der Bundeswehr auf der BiB den Widerspruch, den er verdient hat, den sich aber viele bisher nicht getraut hatten öffentlich auszusprechen. So haben wir auch den zahlreichen Kolleginnen und Kollegen unter den Lehrern den Rücken gestärkt, die überhaupt nicht damit einverstanden sind, dass die Bundeswehr immer stärker Einzug in die Schulen hält. Wie groß der Druck auf die Lehrerinnen und Lehrer ist, das mußten wir auch erfahren. „Die Frau von der Bundeswehr ist völlig außer sich,“ sagte uns eine Kollegin des Berufskollegs. „Sie macht einen unheimlichen Streß, wegen eurer Aktion.“
 
Es ist ein Skandal, wie die Bundeswehr die Not vieler Hauptschüler ausnutzt
 
Bei den Schülerinnen und Schülern fand nicht nur der Aufkleber „Beim Bund ist alles doof“ reißenden Absatz. Auch das Flugblatt wurde uns aus den Händen gerissen. Wir mußten aber auch erfahren, was für ein großes Thema die Bundeswehr gerade für viele Hauptschüler ist, die Schwierigkeiten haben, eine Lehrstelle oder einen Ausbildungsplatz zu bekommen. „Ich will doch gar nicht nach Afghanistan, ich will nur eine Ausbildung machen.“ Das mußten wir öfters hören. Es ist ein Skandal, wie die Bundeswehr die Not dieser Jugendlichen ausnutzt. Theoretisch mag dies alles freiwillig aussehen. Mit einer freien Berufswahl hat dies aber nichts zu tun. Wer sich einmal verpflichtet hat, der kommt nicht mehr so ohne weiteres aus diesem „Arbeitsvertrag“. Wer nicht zur „Arbeit“ erscheint, wird von den Feldjägern gesucht, zurückgeschleppt und bekommt ein Strafverfahren. „Sie sind 18 Jahre ...“ heißt es in dem Bundeswehr-Flyer zum Freiwilligen Wehrdienst, der auf der BiB verteilt wurde. Die anwesenden Schüler waren aber ganz überwiegend eben keine 18 Jahre alt, sondern Schüler des 9. Jahrgangs. Nicht zuletzt auch aus diesem Grund ist es unerträglich, wie sich das Arbeitsamt und das Bielefelder Schulamt widerspruchslos für die Schleichwerbung der Bundeswehr haben einspannen lassen.
 
Das demokratische Recht auf Widerspruch lassen wir uns nicht nehmen
 
Wenig erfreut über die Anwesenheit der LINKEN war natürlich die Bundeswehr. Dabei zeigten ihre Vertreter auf der BiB ein mehr als fragwürdiges Demokratieverständnis. Wer mit seiner Hochglanzwerbung auf minderjährige Schüler zugeht, der hat kein Recht öffentliche Kritik daran zu unterbinden. Genau das aber haben die Vertreter der Bundeswehr und des Kreiswehrersatzamtes Herford immer wieder versucht. Dass sie damit scheiterten, lag nicht zuletzt an unserer Hartnäckigkeit. Wir haben uns einfach nicht vertreiben lassen. Der freundliche Empfang, den uns die meisten Lehrer und Schüler bereitet haben, hat gezeigt , dass wir genau das richtige getan haben.
 
In diesem Zusammenhang müssen sich allerdings die beiden Schulleiter der Carl-Severing-Berufskollegs, Herr Nolte und Herr Bolte, einige kritische Fragen gefallen lassen. Es war schon traurig mit anzusehen, wie die beiden Schulleiter immer wieder versuchten, uns mit fadenscheinigen Gründen am Verteilen der Flugblätter zu hindern. Gehört es nach Meinung dieser beiden Schulleiter nicht zum pädagogischen Auftrag der Schule, das demokratische Recht auf freie Meinungsäußerung zu verteidigen? Unerhört ist es, dass zweimal die Polizei gerufen wurde, um uns einzuschüchtern. Dabei mußte selbst die Polizisten feststellen, dass wir in keiner Weise gegen irgendein geltendes Recht verstoßen haben. Selbstverständlich, so erklärte die Polizei, haben wir das Recht Flugblätter auf dem Weg zwischen den beiden Kollegs zu verteilen!
 
Eines ist jedenfalls klar: Wenn nächstes Jahr die Bundeswehr wieder auf der BiB Werbung machen will, dann heißt es wieder: Krieg ist keine Berufsperspektive! Keine Bundeswehr auf der Berufsinformationsbörse!

Carsten Strauch, DIE LINKE. Kreisverband Bielefeld

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